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Entwicklungsstand schulpsychologischer Dienste

Ausgewählte Ergebnisse einer internationalen Vergleichsstudie

Hintergrund und Zweck der Untersuchung:
Schulpsychologische Dienste erleben gegenwärtig weltweit in vielen Ländern eine rapide Entwicklung. Es werden Informationen benötigt, die neuen wie auch schon bestehenden Schulpsychologischen Diensten helfen, zukünftige Entwicklungen zu planen.
Unter Verwendung der "International School Psychology Survey" (ISPS) soll diese Studie unser Wissen über berufliche Charakteristiken, Ausbildung, Rollen und Verantwortlichkeiten, Herausforderungen und Forschungsinteressen von Schulpsychologen weltweit erweitern.
Die "International School Psychology Survey" (ISPS) wurde vom "International School Psychology Association's (ISPA) Research Committee" unter der Leitung von Dr. Jimerson (University of California, Santa Barbara, USA) in den Jahren 2001-2002 entwickelt und erprobt. Es handelt sich dabei um eine Bearbeitung eines von der "National Association of School Psychologists" (NASP) für die Befragung von Schulpsychologen in den USA entwickelten Fragebogens, der zunächst in fünf Ländern erprobt wurde: Albanien, Zypern, Estland, Griechenland und Nord-England.
Aufbauend auf diesen ersten Ergebnissen, die sich als sehr nützlich erwiesen haben, wurde die gegenwärtige Studie 2003 in folgenden Ländern durchgeführt: Australien, China, Deutschland, Italien und Russland. In Deutschland übersetzte der Referent den englischen Fragebogen in die deutsche Sprache und verteilte ihn mit Hilfe von Dr. Jötten, Vorsitzender der Sektion Schulpsychologie, an 200 Schulpsychologen bundesweit. 40 ausgefüllte Fragebögen wurden zurückgeschickt.
In weiteren Erhebungswellen sollen nach und nach immer mehr Länder in die Untersuchung einbezogen werden, wobei künftig bevorzugt Internet-gestützte Erhebungen durchgeführt werden sollen.

Ausgewählte Ergebnisse:

  • In der quantitativen Entwicklung liegt Deutschland weit zurück. Das Verhältnis von Schulpsychologe zu Schulkindern beträgt nach der vorliegenden Befragung in Deutschland im Mittel 1 : 16.549 (Range: 1000-100.000). Zum Vergleich: Australien 1 : 1.560 (Range: 10-11.000), China 1 : 19.065 (Range: 300-40.000), Italien 1 : 47 (Range: 6-105), Russland 1 : 594 (Range: 100-1350) In einer früheren ISPS-Studie aus dem Jahr 2002 wurden Verhältniszahlen zwischen 1 : 580 (Albanien) und 1 : 9.050 (Zypern) ermittelt. In den U.S.A. betreuen 1/3 der Schulpsychologen weniger als 1000 Schüler, 1/4 mehr als 2000 Schüler. Die "National Association of School Psychologists" (NASP) der USA empfiehlt ein Verhältnis von 1 Schulpsychologe : 1000 Schülern.
  • Im internationalen Vergleich wiesen die deutschen Praktiker das höchste Durchschnittsalter und den geringsten Frauenanteil auf. Demnach ist in der nächsten Dekade mit einem zunehmendem Mangel an Schulpsychologen zu rechnen.
  • In Deutschland wurde der geringste Anteil an Supervision berichtet, was möglicherweise mit dem hohen Durchschnittsalter und der entsprechend langen Berufserfahrung zusammenhängt.
  • Im internationalen Vergleich gaben Schulpsychologen in Deutschland die meisten externen Bedrohungen ihres Berufsstandes an: geringer Status von Schulpsychologie (65%), geringer Stellenwert von Bildung (43%), andere Berufsgruppen übernehmen Jobs von Schulpsychologen (45%), mangelnde finanzielle Ressourcen zur Finanzierung schulpsychologischer Dienste (88%) und Mangel an öffentlicher Unterstützung für Bildung (43%).
  • In Deutschland schätzten die Schulpsychologen die Bedeutung psychologischer Forschung für die Praxis als wesentlich geringer ein als ihre Kollegen in den anderen teilnehmenden Ländern (mit Ausnahme von Italien und Albanien). Offenbar entspricht ein Großteil der an Hochschulen durchgeführten psychologischen Forschung nicht den Bedürfnissen der Praktiker.

Jörg-Michael Thurm